Knabenkraut

Kleine Kostbarkeiten, oder: Was hat Knabenkraut, Stendelwurz und Bienenragwurz mit Vanille zu tun?

Bestäubung geglückt, Biene betrogen – so geht das im Orchideenreich! Weiter geht es mit unserer Online-Umweltbildung. Auch wenn wir ab Juni wieder ganz langsam mit der realen Umweltbildung beginnen. Heute geht es um Pflanzen mit ganz schön komischen Namen: Knabenkraut, Bienenragwurz oder Stendelwurz…schonmal gehört oder sogar gesehen?

Jetzt beginnt in unserer Region auf wenigen geeigneten Stellen die tolle Blütenzeit kleiner Kostbarkeiten, der heimischen Orchideen.

Eigentlich kennt ihr Orchideen vielleicht als Topfpflanze auf der Wohnzimmerfensterbank, die man in jedem Blumenladen oder sogar Supermarkt kaufen kann. Das sind tropische Sorten. Orchideen sind eine Pflanzengruppe, die überall auf der Welt zu finden ist und von der es etwa 30.000 Arten gibt. 60 davon sind in Deutschland zu finden, die allermeisten dagegen in den Tropen, wo sie sogar auf den Bäumen wachsen. Zu den tropischen Vertretern gehört die Vanille, aus deren Samenschoten das leckere Vanillearoma gewonnen wird.

Breitblättriges Knabenkraut, Breitblättrige Stendelwurz oder Bienenragwurz dagegen finden sich vor unserer Haustür, zum Beispiel in der rekultivierten Fläche der Frechener Quarzsandgrube oder auch auf den Kalkflächen der Eifel! Die sehr feinen Samen dieser seltenen und streng geschützten Pflanzen sind mit dem Wind im Laufe der Jahre bei uns angekommen und haben hier die besten Voraussetzungen zum Keimen gefunden. Sie benötigen nämlich einen nährstoffarmen, meist kalkhaltigen Boden und einen bestimmten Pilz im Boden, der die Keimung erst ermöglicht.

Wir beobachten in den Bereichen, in denen kein Sand mehr abgebaut wird, jedes Jahr mehr Exemplare und auch immer mal wieder ganz neue Arten. Das freut uns sehr, denn Orchideen haben es schwer: Es gibt kaum noch freie Flächen ohne Dünger, die nicht zu oft gemäht oder betreten werden. Auch das ist übrigens ein Grund, warum die rekultivierten Flächen der Quarzsandgrube nur im Rahmen einer Führung (z. B. bei einem Abendspaziergang) begangen werden dürfen!

Wer sich für heimische Orchideen interessiert lernt immer wieder witzige Namen oder Eigenarten der unterschiedlichen Vertreter kennen:

So gibt es zum Beispiel die Bocksriemenzunge, die streng nach Ziegenbock riecht um Wildbienen anzulocken und dabei noch komische lange „Riemen“ an den Blüten hängen hat.
Oder die Bienen-, Fliegen-, Hummel-, Spinnenragwurze, deren Blüten wie die entsprechenden Insekten oder Spinnen aussehen und duften, und die den männlichen Insekten vormachen, sie wären ein paarungswilliges Weibchen. Kaum hat sich das Männchen niedergelassen, wird es von der Blüte mit Pollen beklebt, die es auf der nächsten Blüte dann wieder abstreift. Nektar bietet die Blüte dagegen auch keinen an. Bestäubung geglückt, Biene betrogen – so geht das im Orchideenreich!

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