Foto von Dr. Frank Lützenkirchen

Fünf Fragen – Fünf Antworten

Gestellt an Dr. Frank Lützenkirchen, Umweltreferent bei den Quarzwerken.

Als langjähriger Umweltreferent bei den Quarzwerken beobachten und bewerten Sie, welchen Einfluss der Tagebau auf seine Umgebung hat. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Als Tagebau-Betreiber ist es generell unser Ziel, die Auswirkungen unserer Arbeit für die Umgebung so gering wie möglich zu gestalten. Dies gilt zum einen für den Natur- und Artenschutz wo wir seit langem ja deutlich mehr tun als nur Ersatz für in Anspruch genommene Lebensräume zu schaffen.

Unser tägliches Arbeiten im Tagebau hat natürlich Einfluss auf das direkte Umfeld. Hierzu zählt etwa der Boden-, Gewässer- und Luftschutz, die Lärmimmissionen oder das Abfallmanagement. Da gibt es verschiedenste Aspekte im Auge zu behalten. Als Umweltreferent ist genau das meine Aufgabe. Im Referat Umwelt ermitteln wir das Ausmaß verschiedener Umwelteinflüsse unseres Tagebaus und unserer Produktionsanlagen, überwachen die strikte Einhaltung sämtlicher geltender Grenzwerte und setzen Maßnahmen um, die Auswirkungen auf das Abbauumfeld so gering wie möglich halten.

Die im Tagebau gewonnen Sande wie etwa der Frechener Quarzsand sind hochgefragte Rohstoffe für die Industrie. Bedeutet dies, dass Quarzsand als Industrierohstoff auch in besonderer Form gelagert und abgeschirmt werden muss?

Generell ist es wichtig sich zu verdeutlichen, dass Quarzsand zwar als Rohstoff für die Industrie dient, es sich dabei aber selbst um keinen industriell gefertigten Stoff handelt. Quarzsand ist ein überall in der Natur präsenter Stoff, der uns ständig im täglichen Leben begegnet – angefangen vom Sandstrand, über Äcker oder Sandwege bis hin zum Buddelkasten auf dem Spielplatz. Der einzige Unterschied von unserem Quarzsand zu normalem Sand ist der geringere Grad an Verunreinigungen. Während normaler Sand zu etwa 85 bis 90 Prozent aus Quarz besteht, weist der abgebaute Quarzsand in Frechen eine Reinheit von im Schnitt 99,5 Prozent auf. Damit ist der Sand ideal geeignet für die Produktion von Glas, Spezialmörtel oder Gussformen. Dennoch besteht der Sand aus exakt demselben Stoff wie gewöhnlicher Sand überall in der Natur und kann deshalb auch als normales Schüttgut gelagert werden.

Wie ist es denn zu bewerten, wenn dieser Rohstoff durch Wind oder andere Wettereinflüsse auch ins Umfeld des Tagebaus getragen wird? Was bedeutet dies für die Umgebung?

Bei dem aus der Grube des Tagebaus ausgetragenen Quarzsand gilt es zwischen grobkörnigem Flugsand und Feinstaub zu unterscheiden. Bei starkem Wind können grobe Körner, die mit bloßem Auge wahrnehmbar sind, etwa 400 bis 500 Meter weit getragen werden. Ein Großteil davon wird durch den Schutzwald um unseren Frechener Tagebau allerdings abgefangen, ein weiterer Teil durch Wasservernebelungskanonen, die bei Starkwind automatisch anspringen. Wer in unmittelbarer Nähe zum Tagebau parkt, der kann nach extremen Wettersituationen trotzdem mal etwas Sand auf dem Auto haben. Dieser grobkörnige Sand lässt sich aber problemlos entfernen.

Und wie sieht es bei Feinstaub aus?

Das Ausmaß an ausgetragenem Staub und vor allem dem sehr kleinteiligen Feinstaub, der ebenfalls Bestandteil des Quarzsandes ist, kann dagegen nur deutlich schwerer bestimmt werden, da die Staubpartikel mit dem bloßen Auge nicht gesehen werden können. Dieser extrem feine Staub ist natürlicher Bestandteil in sämtlichen Erden und somit zu einem gewissen Grad ständig in unserer Atemluft enthalten. In geringer Menge ist dieser Feinstaub unbedenklich. Wird er aber über einen langen Zeitraum hinweg in sehr hoher Konzentration eingeatmet, kann es zu Schäden an der Lunge kommen. Deswegen gelten strenge Richtwerte für die Feinstaubkonzentration. Schon mit dem Volumen eines Würfelzuckers an Feinstaub innerhalb eines Fußballstadions wäre dieser Richtwert ausgereizt. Deshalb führen wir regelmäßig und freiwillig an verschiedenen Punkten um unseren Tagebau langlaufende Feinstaubmessungen durch und können sagen, dass wir selbst diese strikten Werte deutlich unterschreiten. Zum Vergleich: Allein beim normalen Pflügen eines Ackers findet sich deutlich mehr Feinstaub in der Umgebung als bei unserem Tagebau. Dies liegt unter anderem daran, dass der Rohsand in unserem Frechener Tagebau ohnehin nur einen minimalen Feinstaubanteil enthält. So kann auch kein Feinstaub aus der Grube ausgetragen werden.

Sie sagten ja, dass sie die Auswirkungen wir die Umgebung so gering wie möglich zu halten. Welche Maßnahmen werden denn gegen den Flugsand ergriffen?

Wir können natürlich die Grube nicht mit einem Deckel verschließen. Wenn starker Wind aus westlichen Richtungen kommt und die vollen anderthalb Kilometer Grubenlänge komplett mitnimmt, ist ein bestimmtes Maß an Flugsand nicht zu vermeiden. Dennoch bemühen wir uns, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Deswegen haben wir zum Beispiel die Grube des Frechener Tagebaus bewusst aus dem Wind gedreht. Über eine eigene Wetterstation haben wir ermittelt, dass der Wind dort zu etwa 60 Prozent der Zeit aus westlichen Richtungen weht. Über gezieltes Abbauen an bestimmten Stellen haben wir die Grubenlage so angepasst, dass Böen aus dieser Hauptwindrichtung den Tagebau nun nicht mehr an der langgezogenen Längsseite sondern an der deutlich schmaleren Querseite treffen. So kann deutlich weniger Sand aufgenommen werden. Aber auch mit verschiedenen anderen Maßnahmen reduzieren wir das Ausmaß und die Auswirkung von Flugsand im Umfeld des Tagebaus. So gibt es Windschutzzäune in der Grube und auch Wasservernebelungsanlagen, die bei trockenem Wetter die Luft befeuchten und den Staub niederschlagen. Außerdem schalten wir bestimmte Anlagen ab, wenn es zu windig ist und drosseln falls nötig auch den Betrieb.

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