Leiter des Zentrallabors

Fünf Fragen – Fünf Antworten

Gestellt an Dietmar Linn, Leiter des Zentrallabors bei den Quarzwerken.

Das Zentrallabor der Quarzwerke gilt als Kompetenzzentrum des Unternehmens bei analytischen Fragen rund um die gesamte Produktpalette. Was genau passiert an Ihrem Arbeitsplatz?

Die Quarzwerke haben einen sehr hohen Qualitätsanspruch an ihre eigenen Produkte. Als Zentrallabor stehen wir mit einer umfassenden und breit gefächerten Methodenkompetenz allen Unternehmensteilen zur Seite, um unsere hohen Anforderungen zu halten und zu kontrollieren. Im technisch modern ausgestatteten Zentrallabor werden unsere Produkte vor dem Versand an unsere Kunden freigegeben und entsprechende Analysenzertifikate erstellt. Der gesamte Laborbereich ist nach der DIN EN ISO 9001 zertifiziert, einem weltweit anerkanntem Standard zur Qualitätssicherung. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit unseren Kollegen aus Forschung und Entwicklung zusammen. Immer wieder bringen Quarzwerke neue Produkte – vor allem Hochleistungsfüllstoffe – auf den Markt, die natürlich genau überprüft werden. Wir erstellen u. a. die Stoffdatenblätter.

Unser höchstes Gut ist die Kompetenz und Motivation unserer Mitarbeiter. Hier in Frechen arbeitet  ein gut eingespieltes Team von qualifizierten Mitarbeitern und drei Auszubildenden. Die Qualifikation reicht vom Chemielaboranten bis zum Chemieingenieur und Diplommineralogen. Einige Mitarbeiter haben sich zum staatlich geprüften Techniker weitergebildet. Ich selber bin Chemieingenieur.

Ein Zentrallabor in Verbindung mit Quarzsand klingt für Außenstehende vermutlich schnell komplex. Denken wir da an Arbeitsabläufe. Wie kann man sich das vorstellen? Kommt die Probe aus dem Tagebau bei Ihnen unter das Mikroskop?

Das kann im einfachsten Fall so sein…aber in Wirklichkeit ist es meist etwas komplexer: In der Regel kommen die Quarzsandproben stündlich direkt aus der Produktion und werden hier erst einmal gewaschen und getrocknet. Dann werden die chemischen Elemente bestimmt, wie Eisengehalt oder Aluminium. Das ist wichtig, um z. B. für Kunden aus der Glasindustrie zu gewährleisten, dass der Sand nicht zu viel Eisen enthält. Eisen verfärbt Glas, ein Fenster würde eine grünliche Farbe bekommen. Und da reichen kleinste Mengen aus. Quarzsand besteht zu 99,7 % aus SiO2 (Siliziumoxid), der kleine Rest besteht aus unterschiedlichen Elementen. Um diese bestimmen zu können, müssen wir Untersuchungen im Millionstelbereich „parts per million“  durchführen. Man spricht dann von einer Spurenanalyse. Das bekommen wir nur durch den Einsatz der Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) und der optischen Emissionsspektrometrie (ICP-OES) hin.

Es geht aber auch um Umwelt und Gesundheitsaspekte, denken Sie beispielsweise an Spielsand im Sandkasten oder die Kosmetik- und Dentalindustrie. Das Zentrallabor ermöglicht eine Vielzahl von Spezialmethoden.

Seit sechs Jahren sind Sie nun Leiter des Zentrallabors und blicken mittlerweile auf mehr als 22 Jahre Quarzwerke zurück. Sprich, Sie haben schon viel Unternehmensgeschichte miterlebt. Wie haben sich das Zentrallabor und seine Rolle über die Jahre entwickelt?

Sowohl auf Innovations- als auch Technologieseite hat sich über die letzten Jahre eine Menge getan.  Ein bedeutender Aspekt ist die stetig wachsende Produktvielfalt bei den Quarzwerken. Wir haben es mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Stoffen zu tun. Die Aufgabenstruktur des ZL ist mit den Veränderungen mitgewachsen. Unsere Mitarbeiter im Zentrallabor müssen alle Produkte sehr gut kennen; das geht über das Produkt und seine Zusammensetzung hinaus. Konkretes Wissen über den Herstellungsprozess, die eingesetzten Rohstoffe und insbesondere die Anwendungsbereiche sind essentiell. Da muss das Zentrallabor natürlich auch nah am Wettbewerb und unseren Kunden sein.  Gerade im Bereich Serviceanalytik ist das absolut wichtig–auch im Blick auf Reklamationen. Da müssen wir das entsprechende Produkt anwendungsorientiert untersuchen. Innerhalb der Quarzwerke müssen wir garantieren, dass eine Vielzahl von Messdaten und Informationen schnell und transparent im Unternehmen für alle verfügbar sind. Da greifen wir dann auf ein eigens entwickeltes Softwaresystem zurück, auf welches alle einzelnen Produktionslabore zurückgreifen. Diese Labore überprüfen wir im Übrigen regelmäßig im Rahmen von internen Inspektionen, so gewährleisten wir vergleichbare Untersuchungsergebnisse.

Sie haben erzählt, dass das Zentrallabor in einem engen Austausch mit der Produktentwicklung der Quarzwerke steht. Wie läuft das in der Praxis ab?

Wir arbeiten sehr intensiv und im gegenseitigen Vertrauen zusammen. Es ist aber nicht so, dass ein Kollege aus der Innovation an uns herantritt, einen Becher mit weißem Sand reicht und sagt „Hey, guckt mal was man damit anstellen könnte?“ Das ist deutlich komplexer und herausfordernder.  Durch die langjährige Erfahrung in der Aufbereitung von mineralischen Rohstoffen entwickeln die Kollegen aus der Produktentwicklung maßgeschneiderte Lösungen für die unterschiedlichen Anwendungsgebiete unserer Kunden. Für neue Produkte müssen die Verfahren und Messtechniken immer wieder angepasst werden (z. B. im vergangenen Jahr das Produkt ACRYSMART). Wir begleiten quasi neue Produkte während der kompletten Entwicklungsphase analytisch. Dies beinhaltet auch manchmal die Einführung neuer Methoden und Messtechniken. Es ist oberstes Ziel, dem Kunden Vorteile eines Produktes in seiner individuellen Anwendung aufzuzeigen. Das Zentrallabor unterstützt hier beispielsweise mit dem Anfertigen von detaillierten Stoffdatenblättern, in denen wir die technischen Materialspezifikationen ausführlich und wissenschaftlich fundiert aufzeigen. Dafür legen wir auch entsprechende Produktmuster an, die unser Labor schnell aber auf höchstem Qualitätslevel durchlaufen. Jede einzelne Dose wird überprüft und untersucht. Unser Versprechen an den Kunden in Deutschland ist es, ihm Produktproben innerhalb von 24 Stunden bereitzustellen.

Zudem sind wir Mitglied in der Deutschen Glastechnischen Gesellschaft (DGG) und haben einen Sitz im dortigen Analytikausschuss, um den engen Austausch mit Forschung, Entwicklung und Wissenschaft voranzutreiben.

Wo sehen Sie zukünftig besondere Herausforderungen?

Wir haben allein in den letzten zehn Jahren einen großen Wandel mitgemacht. Verglichen mit meinem Berufsstart im Unternehmen sieht das Labor natürlich auch anders aus, ist hochwertig ausgestattet und natürlich sauber auf höchstem Level. Zukünftig ist es unser Ziel, den Automatisierungsgrad noch weiter zu erhöhen. Das betrifft zum Beispiel Untersuchungsverfahren, die wir über mehrere Stunden oder nachts laufen lassen. Hier wollen wir uns noch weiter verbessern. Von entscheidender Bedeutung ist auch die Weiterentwicklung unseres Labordatensystems. Weiter wollen wir unser Unternehmen für Fachpersonal attraktiv gestalten. In den letzten Jahren konnten wir fünf Stellen im Labor durch Nachwuchskräfte aus den eigenen Reihen bzw. ehemalige Auszubildende besetzen. Das ist natürlich auch zukünftig großer Ansporn, qualifizierte und hervorragend ausgebildete Mitarbeiter als Kollegen zu haben.


Mit dem Röntgendiffraktometer bestimmt man die mineralogische Zusammensetzung von Füllstoffen.

Mit dem Röntgendiffraktometer bestimmt man die mineralogische Zusammensetzung von Füllstoffen.

Probenvorbereitung. Im Exsikkator werden die Proben vor der Analyse getrocknet.

Probenvorbereitung. Im Exsikkator werden die Proben vor der Analyse getrocknet.

Auch eine einfache Mikroskopische Untersuchung liefert Ergebnisse über die Beschaffenheit von Mineralien.

Auch eine einfache Mikroskopische Untersuchung liefert Ergebnisse über die Beschaffenheit von Mineralien.

Der Camsizer bestimmt optisch die Partikelgröße und Partikelform von Quarzsanden.

Der Camsizer bestimmt optisch die Partikelgröße und Partikelform von Quarzsanden.

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