„Drei Wochen voller Spaß“ – Azubiaustausch nach Frankreich

Klaas-Marten Blumenthal ist Auszubildender im Quarzsand- und Mahlwerk Weferlingen (Sachsen-Anhalt), das zur Quarzwerke Gruppe gehört. Dort steht er kurz vor dem Abschluss seines ersten Lehrjahres. Im Interview erzählt er von seinem Arbeitsalltag und wie es dazu kam, dass er an einem Azubiaustausch mit Frankreich teilnehmen durfte.

Können Sie zu Beginn ein wenig über Ihre Ausbildung bei den Quarzwerken erzählen? Wie lange sind Sie schon dabei? Wie sind Sie auf die Quarzwerke gestoßen?

Im Frühling letzten Jahres habe ich angefangen, mich nach Ausbildungsplätzen umzuschauen. Bei den Quarzwerken bin ich dann auf den Ausbildungsplatz als „Aufbereitungsmechaniker“ gestoßen. Zu Beginn konnte ich mir darunter gar nichts vorstellen. Dann habe ich mich ein wenig belesen und dachte mir: „Ja, das könnte etwas für mich sein!“

Was kann man sich denn unter der Arbeit eines Aufbereitungsmechanikers vorstellen?

Ganz allgemein geht es um die Produktion, Aufbereitung und Weiterverarbeitung von Mineralien und die Instandhaltung der dafür benötigten Maschinen. In meinem Fall bin ich spezialisiert auf die Fachrichtung „Sand und Kies“. In Weferlingen wird ausschließlich Sand gefördert, welcher später zu Quarzmehl weiterverarbeitet wird.

Ihre Ausbildung findet ja nicht nur in Weferlingen, sondern zum Teil auch in Erfurt statt?

Ja. Zwischen August 2018 und Februar 2019 wurde ich sogar hauptsächlich in Erfurt ausgebildet. Der schulische Teil meiner Ausbildung fand im Erfurter Bildungszentrum (EBZ) statt. Während dieser Zeit war ich nur ein bis zwei Wochen im Betrieb. Seit Februar arbeite ich hauptsächlich im Werk Weferlingen. Nur circa alle zwei bis vier Wochen muss ich nochmal nach Erfurt fahren, um dort das EBZ zu besuchen.

Wie kam es dann zu Ihrem Frankreichaustausch?

Das Angebot ins Ausland zu gehen, bekam ich auf einem Aktionstag an meiner Schule präsentiert. Dort wurden verschiedene Angebote vorgestellt, unter anderem die Möglichkeit einen Azubiaustausch mit Frankreich zu absolvieren. Die Lehrer haben das vorgestellt und ich dachte mir sofort: Das ist eine super Sache, da würde ich gerne mitmachen.

Hatten Sie denn schon Französischkenntnisse bevor Sie sich für den Frankreichaustausch entschieden haben?

Kein bisschen (lacht). Aber mittlerweile ist es schon deutlich besser geworden.

Gab es in Ihrer Schule einen Sprachkurs oder haben Sie Französisch erst im Alltag in Frankreich gelernt?

In der ersten Woche des Austausches im Januar kamen deutsche und französische Schüler in einer Tandemklasse zusammen, um die jeweils andere Sprache voneinander zu erlernen. So gab es zum Beispiel einen Stuhlkreis in welchem Deutsche Französisch und Franzosen Deutsch sprechen mussten. Die restlichen beiden Wochen war ich dann in der Firma in Saint-Quentin beschäftigt und habe im Alltag die Sprache gelernt.

Wie kann man sich den normalen Arbeitsalltag in Saint-Quentin vorstellen?

In Saint-Quentin habe ich in einer Metall-Fräserei gearbeitet. Der Tag dauerte von 07:00-16:00 Uhr mit einer Stunde Pause zwischendurch. Mir ist besonders die entspannte Arbeitsweise der Franzosen positiv in Erinnerung geblieben. Deren Motto ist: Bloß kein Stress.

Was passiert denn genau in einer Metall-Fräserei? Was wird dort produziert?

Ein Auftraggeber war beispielsweise ein großer französischer Automobilproduzent. Mein Austauschunternehmen entwickelt Autoteile und Kolben, produziert diese anschließend und verkauft sie dann an den Automobilproduzenten weiter. Ein ganz anderer Auftrag kam von einer französischen Luxusmarke. Für diese wurde die Hülle eines Lippenstifts entworfen und produziert.

Die Arbeit war also ziemlich spannend und abwechslungsreich, obwohl es nur eine kleine Firma von fünf Mann ist.

Wie haben Sie eigentlich Ihren Austauschpartner gefunden?

Zu Beginn sollten wir uns eigenständig zusammenfinden und entscheiden, in welche Familie wir gerne möchten. In der zweiten und dritten Woche meines Austausches nahm mich mein französischer Partner dann mit in den Betrieb in Saint-Quentin.

Im Februar kam er dann zu mir nach Deutschland. In Erfurt habe ich ihn vom Flughafen abgeholt. Anschließend wohnten wir dann für zwei Wochen zusammen bei mir in Niedersachsen.

Gibt es denn neben der entspannten Arbeitsweise noch andere Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland?

Ja, tatsächlich! Zum Beispiel ist es bei der Ausbildung in Frankreich so, dass man sich schon während der normalen Schulzeit ein Unternehmen aussucht und dort einfach schonmal anfängt zu arbeiten – wie in einem Ferienjob! Nach drei Jahren entscheidet der Betrieb dann, ob man übernommen wird. Aber bis dahin geht man noch ganz normal zur Schule.

Wie verlief denn die Zeit bei Ihrer Gastfamilie? Gab es Dinge, die in Frankreich auffallend anders sind als in Deutschland?

Beim Zusammenleben konnte ich ehrlich gesagt eher wenige Unterschiede ausmachen. Was mir aufgefallen ist, waren große Differenzen in der Esskultur. Die Franzosen sind ein sehr gastfreundliches Volk. Ich bin aus dem Essen gar nicht mehr herausgekommen! Kulinarisch wurde mir dort echt was geboten. Es gab eben kein Schnitzel oder Currywurst, wie sie einem gerne in Deutschland aufgetischt wird. Größtenteils gab es gute französische Hausmannskost, mit viel Selbstgemachtem! Und natürlich gab es – ganz dem Klischee folgend – viel Baguette! Ich war nur froh, dass ich keine Schnecken essen musste.

Können Sie sich denn vorstellen, Frankreich erneut zu besuchen? Eventuell sogar dort zu arbeiten?

Ja, sehr gerne sogar. Wenn ich könnte, würde ich den Austausch sofort wiederholen. Die Mentalität dort ist vielleicht ein wenig anders als in Deutschland, aber im Allgemeinen ist Frankreich ein wunderschönes Land. An einem Wochenende fuhren wir beispielsweise nach Paris. Dort war es toll! Viele Leute sprachen Englisch und ansonsten wurde sich mit Händen und Füßen verständigt. Also gerne nochmal!

Haben sie denn immer noch Kontakt zu Ihrer Gastfamilie?

Definitiv! Bei meiner Abreise versicherte mir meine Gastmutter, dass ich bei ihnen immer willkommen bin, und dass ich jederzeit gerne wiederkommen darf. Auch mit den anderen Austauschschülern pflege ich immer noch Kontakt. Ich denke das verläuft sich nicht.

Gibt es denn irgendetwas, was Sie aus Frankreich für das Leben in Deutschland mitnehmen können?

Auf jeden Fall eine generell größere Gelassenheit nehme ich definitiv aus meiner Zeit in Frankreich mit!

Würden sie neuen Azubis denn auch empfehlen einmal bei solch einem Austausch mitzumachen?

Ja, das kann ich jedem nur nahelegen. Es waren drei Wochen voller Spaß!

Eines der Produkte, die in der Metall-Fräserei in Saint-Quentin hergestellt werden.
Eines der Produkte, die in der Metall-Fräserei in Saint-Quentin hergestellt werden.
Ein anderer Blickwinkel auf das von Klaas-Marten Blumenthal präsentierte Produkt.

Ein anderer Blickwinkel auf das von Klaas-Marten Blumenthal präsentierte Produkt.

Auch ein Ausflug an die Küste war Teil des Frankreichaustausches.

Auch ein Ausflug an die Küste war Teil des Frankreichaustausches.

Und natürlich ging es nach Paris!

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Die Spitze des Eiffelturms ist wolkenverhangen – dennoch ein beeindruckender Anblick.

Die Spitze des Eiffelturms ist wolkenverhangen – dennoch ein beeindruckender Anblick.

Auch Notre-Dame darf natürlich bei keinem Paris-Besuch fehlen.

Auch Notre-Dame darf natürlich bei keinem Paris-Besuch fehlen.

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