Der Schlehdorn (Prunus spinosa) oder: Was hat ein Dornbusch mit Salz zu tun?

Im Herbst leuchten in artenreichen Wildhecken zahlreiche rote und blaue Früchte und signalisieren so den Wildtieren: Hier gibt es energiereiche Nahrung für den kargen Winter!

Die wilden Verwandten der Pflaumen, die Schlehen, tragen zum Farbenspiel hell- bis dunkelblaue Farbtöne bei.

Schlehdornhecken sind in jeder Hinsicht ein Glücksfall für zahlreiche Tierarten: Wenn im zeitigen Frühjahr vor dem Blattaustrieb die kleinen weißen Blüten erscheinen, dienen sie bei niedrigen Temperaturen als Nahrungsquelle für frühfliegende Wildbienenarten. Im Laufe des Jahres nutzen viele Schmetterlingsarten, wie z. B. der Segelfalter (er wurde in den Quarzwerken Frechen gesichtet) die Sträucher als Nahrung für ihre Raupen. Erscheinen dann im Spätsommer die blauen Früchte, dienen sie Vögeln, wie Amseln, Staren und Drosseln als Nahrung. Die undurchdringlichen Hecken werden von ihnen in der Brutsaison als sicherer Nistplatz genutzt, und der seltene Neuntöter (auch er wurde in den Quarzwerken Frechen nachgewiesen) verwendet die Dornen als Aufbewahrungshilfe für seine Beute.

Menschen profitieren, trotz des hohen Gerbsäureanteils der Früchte, nachweislich seit der Steinzeit zum einen von der Schutzfunktion der dichten Schlehdornhecken und zum anderen von der Nutzung der reifen Früchte als Sirup, Likör und Arzneimittel. Außerdem werden die kratzigen Büsche im großen Maße in so genannten Gradierwerken genutzt: An den in Gestellen aufgeschichteten Ästen läuft Salzsole herunter, die durch Verrieselung für gesunde salzhaltige Luft in Kuranlagen und teilweise auch zur Gewinnung des Salzes durch Wasserverdunstung dient.

Und dann gibt es in diesem Jahr noch etwas Seltsames zu beobachten: In der ersten Septemberwoche blühten in den Quarzwerken Frechen zahlreiche Schlehdornbüsche ein zweites Mal in diesem Jahr! So konnten blaue Früchte und weiße, duftende Blüten zusammen beobachtet werden. Die Honig- und Wildbienen haben davon profitiert. Wahrscheinlich führt die extreme Trockenheit und Hitze im dritten Jahr in Folge zu dieser „Notblüte“, um das Überleben durch Nachkommen in den nächsten Jahren zu sichern. Hoffen wir, dass dies gelingt!

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