125 Jahre Amberger Kaolinwerke: Eine Geschichte von Pioniergeist und Wandel

Eine unserer “Töchter” wird 125 Jahre alt. Und wir als Muttergesellschaft sind mächtig stolz. Was einst mit der Erschließung oberpfälzischer Kaolinvorkommen begann, hat sich über mehr als ein Jahrhundert zu einer international aufgestellten Unternehmensgruppe entwickelt. Technischer Fortschritt, unternehmerischer Mut und die Fähigkeit, sich immer wieder neuen Rahmenbedingungen anzupassen, prägen die Geschichte der AKW (Amberger Kaolinwerke Eduard Kick GmbH & Co. KG) bis heute.

Dieser Rückblick zeigt die wichtigsten Stationen, Persönlichkeiten und Meilensteine einer außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte.

Im 19. Jahrhundert wurden die oberpfälzischen Kaoline aus Hirschau und Schnaittenbach vor allem für die Steingutherstellung genutzt. Entsprechend produzierten die damaligen Kaolinstandorte vollständig oder überwiegend für die eigene Steingutproduktion. Mit der Jahrhundertwende jedoch wandelten sich die Märkte, und neue Absatzmöglichkeiten eröffneten sich. Gefragt waren nun Kaolinwerke, die unabhängig von der Steinzeugproduktion agierten – die Geburtsstunde der Amberger Kaolinwerke.

Die Gründer: Kick und Schiffer

Georg Schiffer gründete am 29. März 1901 in Hirschau die Amberger Kaolinwerke. Er entwickelte viele Aufbereitungstechniken und -maschinen selbst und war ein wirklicher Pionier. Vor allem durch seinen Antrieb entwickelte sich AKW innerhalb von nur zwei Jahrzehnten zum bedeutendsten und fortschrittlichsten Betrieb seiner Art. Bereits zum 25jährigen Betriebsjubiläum wurde die Roherde mit Löffel- und Eimerkettenbagger aus der Grube geholt. Am 28. Januar 1931 verstarb Georg Schiffer bei einem tragischen Autounfall.

Ein weiterer Pionier der oberpfälzischen Kaolinindustrie war Eduard Kick. Geboren am 3. Februar 1803 in Biberach an der Riß, arbeitete er in den 1830er Jahren als Buchhalter in der Steingutfabrik C. M. Dorfner. Dort lernte er die Kaolinvorkommen im Raum Hirschau/Schnaittenbach kennen. Er beschloss, sein Glück als Unternehmer zu suchen und mit der Unterstützung seines späteren Schwiegervaters errichtete er 1833 das erste Kaolinwerk der Oberpfalz. Eduard Kick starb nach kurzem Krankenlager am 3. März 1880 in Amberg im Alter von 77 Jahren.

Das Wahrzeichen: Der Monte Kaolino

Die Wurzeln des heutigen „Monte Kaolino“ reichen ebenfalls bis in jener Zeit. Mit dem stetigen Wachstum der Produktion musste der Betrieb erweitert werden. Überschüssige Sande aus der Kaolinaufbereitung wurden über eine Schleppbahn außerhalb des Werksgeländes abgelagert. Aus diesem Sand wuchs der so genannte Monte Kaolino auf über 100 Meter an, der inzwischen das Wahrzeichen der Stadt Hirschau geworden ist.

1956 gründete Wolfgang Droßbach, damals Geschäftsführer der Amberger Kaolinwerke, den ersten Sandskiverein der Welt, den SC Monte Kaolino Hirschau e. V.. Die Amberger Kaolinwerke ermöglichten den Spaß – und das bis heute. Am Fuße des Monte Kaolino entstand zudem ein Schwimmbad mit Sandstrand.

Die Fördertechnik entwickelt sich

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Werk ohne wesentliche Zerstörung, allerdings verzögerte sich die Wiederaufnahme der Produktion durch fehlende Stromversorgung, und der „Waggonmangel“ behinderte zunächst die Auslieferung zum Kunden. Nach dem etwas holprigen Start konnte ab 1949 wieder investiert werden, vor allem in Anlagen zur Erzielung höherer Kaolinqualitäten.

Bereits in den 1920er Jahren wurde ein Tatz-Löffelbagger angeschafft. Der Bagger musste damals mit zwei Mann betrieben werden und war eine willkommene Unterstützung der vielen Arbeiter in der Grube, denn bisher wurde der Roherdeabbau ausschließlich per Hand (bzw. Schaufel) und Muskelkraft getätigt.

Ein Meilenstein der jüngeren Zeit war die Inbetriebnahme eines neuen Komatsu PC2000-Baggers im September 2024. Die speziell angefertigte Schaufel ist exakt auf die Anforderungen der Kaolinförderung abgestimmt. Heute wird das gelöste Material per Dumper zur Bandanlage transportiert und von dort ins Werk befördert. Die Förderleistung hat sich in den vergangenen 100 Jahren mehr als verzehnfacht – körperliche Schwerstarbeit gehört der Vergangenheit an.

Ausbau zur Unternehmensgruppe

Nach dem Wiederaufbau in den Wirtschaftswunderjahren expandierten die Amberger Kaolinwerke zur Unternehmensgruppe, jetzt unter der Leitung von Dieter Heckmann, dem Schwiegersohn von Wolfgang Droßbach und dessen Neffen Oskar Hallbauer. Ab Anfang der 1990er Jahre lag die Unternehmensleitung bei Thomas Heckmann (der im Juli 1996 als Gesellschafter ausschied), Dr. Thomas Marx (bis 2002 Geschäftsführer) und Dr. Otto Hieber, der bis 2024 das Unternehmen als Geschäftsführer prägte.

Mit dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung begannen ereignisreiche Jahre und die Unternehmensgruppe wuchs weiter. Zuerst wurden die beiden großen mitteldeutschen Kaolinbetriebe, die Kemmlitzer Kaolinwerke und das Caminauer Kaolinwerk, übernommen. Am eigenen Standort übernahmen die AKW das Nachbarunternehmen Eduard Kick und firmieren seit 1993 als Amberger Kaolinwerke Eduard Kick GmbH & Co. KG.

Mit dem weiteren Wachstum und der strategischen Ausrichtung auf industrielle Mineralien rückten die Amberger Kaolinwerke auch für die Quarzwerke Gruppe in den Fokus. Mit dem Erwerb holte Quarzwerke im Jahr 1995 nach Quarz nun gezielt Kaolin als weiteres zentrales Industriemineral in die Unternehmensgruppe – und machte die AKW zu einer wichtigen Tochtergesellschaft.

Eine weitere bedeutende Wegmarke war der Erwerb eines ukrainischen Kaolinwerkes nahe Kiew im Jahr 2007, dem ersten internationalen Kaolinstandort der Gruppe. Bis 2022 entwickelte sich dieser zu einem der bedeutendsten Kaolinstandorte Europas. Der Krieg in der Ukraine stellt das Werk jedoch vor große Herausforderungen: wegfallende Kunden, unterbrochene Lieferketten und unsichere Transportwege prägen den Alltag. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Produktion trotz dieser Umstände weiterläuft – angepasst an die Situation und mit großem Engagement der Mitarbeitenden.

Blick nach vorne: international und vernetzt

Seit 1995 gehen die Amberger Kaolinwerke und ihre Standorte unter dem Dach der Quarzwerke Gruppe bereits gemeinsam ihren Weg in die Zukunft. Die Einbindung in die Gruppe eröffnete neue Perspektiven: technologisch, organisatorisch und international. Gleichzeitig blieb die starke Identität der AKW als traditionsreicher Standort und Innovationsmotor erhalten.

2025 fand eine größere Neuausrichtung in der gesamten Gruppe statt, sodass Synergien innerhalb der Unternehmensgruppe besser genutzt werden können. Alle internationalen Geschäftseinheiten, die maßgeblich Kaolin produzieren, fallen seither unter die „Division K“ (K = Kaolin). Seitdem arbeiten die Amberger Kaolinwerke umso enger mit der bulgarischen Kaolin EAD zusammen, die seit 2013 zur Quarzwerke Gruppe gehört.

Mit all diesen Entwicklungen sind die Amberger Kaolinwerke als moderner Industriestandort mit starken Wurzeln und einem klaren Blick nach vorn bestens für die Zukunft aufgestellt.