120 Jahre Amberger Kaolinwerke: Von Pionieren und Ehrenbürgern in Hirschau

In 120 Jahren Unternehmensgeschichte ist in Hirschau viel passiert. Nicht nur technisch, auch menschlich gibt es einige Dinge, die vermutlich auch für Kenner neu sind.

Im 19. Jahrhundert wurden die oberpfälzer Kaoline aus Hirschau und Schnaittenbach hauptsächlich für die Steingutherstellung eingesetzt. Ältere Kaolinstandorte produzierten daher ganz oder zum überwiegenden Teil für die eigene Steingutproduktion. Mit der Jahrhundertwende veränderten sich die Märkte und neue Absatzmärkte taten sich auf. Von der Steinzeugproduktion unabhängige Kaolinwerke waren nun gefragt: das war die Geburtsstunde der Amberger Kaolinwerke!

Georg Schiffer gründete am 29. März 1901 in Hirschau die Amberger Kaolinwerke (AKW). Er entwickelte viele Aufbereitungstechniken und -maschinen selbst und war ein wirklicher Pionier.  Vor allem durch seinen Antrieb entwickelte sich die AKW innerhalb von nur zwei Jahrzehnten zum bedeutendsten und fortschrittlichsten Betrieb seiner Art. Bereits zum 25jährigen Betriebsjubiläum wurde die Roherde mit Löffel- und Eimerkettenbagger aus der Grube geholt. Am 28. Januar 1931 verstarb Georg Schiffer bei einem tragischen Autounfall.

Straßennamen in Hirschau erinnern an bedeutende Bewohner

In Hirschau tragen elf Straßen den Namen einer Persönlichkeit, die sich um die Stadt besonders verdient gemacht hat, einer davon war Georg Schiffer, dessen Name heute die Zufahrtsstraße zu den Amberger Kaolinwerken trägt. Eine andere Straße ist nach Wolfgang Droßbach benannt. Droßbach war seit 1922 als Betriebsleiter im Unternehmen und folgte später Georg Schiffer als Geschäftsführer und Gesellschafter. Er leitete die Geschicke der Kaolinwerke bis zu seinem Tod 1962. Neben seinen Verdiensten um das Unternehmen, engagierte er sich auch für seine Mitmenschen und war von 1933 – 1945 ehrenamtlich 2. Bürgermeister der Stadt. Bereits 1953 war er zum Ehrenbürger der Stadt ernannt worden und seit 1963 führt die Wolfgang-Droßbach-Straße zum Monte Kaolino.

Die Wurzeln des heutigen „Monte Kaolino“ finden sich auch in jener Zeit. Damals wuchs langsam aber stetig die Kapazität des Betriebes, so dass er erweitert werden musste. Zur Lagerung von überschüssigen Sanden aus der Kaolinproduktion wurde eine Schleppbahn errichtet, die den Sand außerhalb des Betriebsgeländes ablud. Aus diesem Sand wuchs der Monte Kaolino und zu seinen Füßen ein Schwimmbad mit feinem Sandstrand – aber das ist eine andere Geschichte.

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Werk ohne wesentliche Zerstörung, allerdings verzögerte sich die Wiederaufnahme der Produktion durch fehlende Stromversorgung und der „Waggonmangel“ behinderte zunächst die Auslieferung zum Kunden. Nach dem holprigen Start konnte ab 1949 wieder investiert werden, vor allem in Anlagen zur Erzielung höherer Kaolinqualitäten.

Ausbau zur Unternehmensgruppe

Nach dem Wiederaufbau in den Wirtschaftswunderjahren, expandierten die Amberger Kaolinwerke zur Unternehmensgruppe, jetzt unter der Leitung von Dieter Heckmann, dem Schwiegersohn von Wolfgang Droßbach und dessen Neffen Oskar Hallbauer. Ab Anfang der 90er Jahre lag die Unternehmensleitung bei Thomas Heckmann (der im Juli 1996 als Gesellschafter ausschied), Dr. Thomas Marx (bis 2002 Geschäftsführer) und Dr. Otto Hieber.

Die Entwicklung der AKW wurde dabei stark von der Entwicklung der Papierindustrie geprägt. Durch steigende Bedarfe bis Mitte der 70er Jahre in Europa und Qualitätsanforderungen, die sich mit oberpfälzer Kaolinen nicht erfüllen ließen, wurden alternative Quellen im Ausland gesucht. AKW gründete hierzu bereits 1963 eine Gesellschaft, um nord- und südamerikanische Streichkaoline zu importieren und europaweit zu vermarkten. Dieses Joint Venture hatte bis Ende der 90er Jahre erfolgreichen Bestand. Später beteiligte man sich an dem brasilianischen Kaolinvorkommen „Rio Capim“. Bestandteil der Expansion war auch der Aufbau einer Schiffsflotte für den Mineraltransport. Die Aktivitäten in Brasilien endeten Ende der 90er Jahre durch Änderung der strategischen Ausrichtung beim Vertragspartner.

Mit dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung begannen ereignisreiche Jahre und die Unternehmensgruppe wuchs weiter. Zuerst wurden die beiden großen mitteldeutschen Kaolinbetriebe, die Kemmlitzer Kaolinwerke und das Caminauer Kaolinwerk übernommen. Am eigenen Standort übernahmen die AKW das Nachbarunternehmen Eduard Kick und firmieren seit 1993 als Amberger Kaolinwerke Eduard Kick GmbH & Co. KG. Seit 1995 gehen die Amberger Kaolinwerke und ihre Werke unter dem Dach der Quarzwerke-Gruppe ihren Weg in die Zukunft. Eine ganz bedeutende Wegmarke war 2007 der Erwerb eines ukrainischen Kaolinwerkes, welches sich mittlerweile zu einem der bedeutendsten europäischen Kaolinstandort entwickelt hat.

Noch ein Jubiläum

Zum Jahreswechsel 1995/1996 wurde die AKW wie gesagt ein Teil der Quarzwerke Familie. Daher können wir in diesem Jahr zwei Jubiläen feiern: 120 Jahre Amberger Kaolinwerke und 25 Jahre AKW – QW Unternehmensgruppe!

Die Geschichte der Amberger Kaolinwerke ist durch die Persönlichkeiten ihrer Gesellschafter und Geschäftsführer geprägt worden. Immer hatte aber auch das soziale Engagement für die Mitarbeiter einen großen Stellenwert. Erwähnt seien exemplarisch der Bau von Werkssiedlungen in den 1930er und 1950er Jahren sowie ein modernes Badehaus inmitten der Siedlung, das für die Bewohner zur Verfügung stand. Dies war insofern ungewöhnlich, als dass es damals kaum Badeanstalten in Privathäusern gab. „Das Bad befand sich ungefähr gegenüber dem heutigen Betriebslabor. Natürlich gab es strickt geregelte Badezeiten nach Männlein und Weiblein,“ erinnert sich Gertrud Dolles-Schmidt, eine langjährige Mitarbeiterin der AKW. Später wurde das Bad in eine Sauna umgewandelt, die bis in die 1980er Jahre für die Mitarbeiter betrieben wurde (da wir diese Saunageschichte so spannend finden, wird es bestimmt demnächst dazu einen TBT geben, Anm. d. Redaktion).

Einzigartig ist auch die Kaolinkapelle, die 1950 von Alfons Rasel (dem Gesellschafter der Firma Eduard Kick) gegründet wurde und deren Auftritte über den Rahmen der Firmenfeiern hinausgeht.  

Übrigens gab es in den 50er Jahren auch eine Metzgerei, in der sich die Mitarbeiter ihre Brotzeit abholen konnten, die Sterzl-Metzgerei. Sie kennen auch erzählenswerte Geschichten und Anekdoten aus der AKW-Geschichte? – Dann schreiben Sie uns! (blog@quarzwerke.com)

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